Personalsituation verbessern: Reicht ein Aufstocken des Sanitäter- und Feuerwehr Gehalts aus?

Feuerwehr Gehalt

Gewalt in der Silvesternacht

Zuletzt hat es die Silvesternacht 2022 gezeigt: Die Gewalt an Rettungskräften und Feuerwehrleuten ist in Deutschland ungebrochen. Und obwohl bereits seit Jahren über Angriffe an Helferinnen und Helfer berichtet wird, Präventionsmaßnahmen nach und nach eingeleitet wurden, so ist jedoch längst “kein Licht am Ende des Tunnels in Sicht”. Aufgrund der aktuell stattgefundenen Übergriffe, schauen wir uns an, ob Übergriffe auf Rettungskräfte insgesamt zugenommen haben und ob das aktuelle Sanitäter und Feuerwehr Gehalt sowie der damit verbundene Personalmangel bei Einsatzkräften einen möglichen Grund für die zunehmende Gewalt darstellen.

Allgemeine Fakten zur Gewalt an Einsatzkräften

Mit Böllern und Raketen beworfen, mit Schreckschusspistolen bedroht, mit fliegenden Bierkisten und Feuerlöschern konfrontiert, verbal beschimpft, tätig angegriffen – diese Liste könnte wohl noch lange weitergeführt werden. Alleine in Berlin wurden laut merkur.de 38 Übergriffe in der Silvesternacht 2022 dokumentiert sowie rund 33 verletzte Einsatzkräfte gezählt – ungeachtet einer möglichen Dunkelziffer. Die Silvesterkrawalle wirken nach – und das nicht nur in der deutschen Hauptstadt.

Doch der Blick sollte nicht allein auf die Silvesternacht gerichtet werden, denn Einsatzkräfte sind regelmäßig verbalen und tätlichen Übergriffen ausgesetzt. So leiden sie beispielsweise unter Beschimpfungen, Drohungen oder körperlichen Angriffen durch Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen. Aber auch behindernde Schaulustige bei Unfällen gehören zum Arbeitsalltag dazu. Und obwohl diese Vorfälle oftmals bagatellisiert werden, können sie für die Betroffenen bleibende Folgen physischer sowie psychischer Art haben. 

Seit 2011 gibt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) Auskunft über die Entwicklung der Gewalt, die regelmäßig an Einsatzkräften der Polizei, des Rettungswesens sowie der Feuerwehr verübt wird. Laut der PKS 2021 (“Straftaten insgesamt”) gehen die Straftaten in Deutschland zwar zurück (in 2021 wurden beispielsweise bundesweit insgesamt 5.047.860 Fälle registriert, dies bedeutet im Vergleich zu 2020 ein Rückgang von 4,9%), jedoch findet eine Verlagerung zu mehr Gewalt gegen Einsatzkräfte statt. 

Diese Entwicklung wird auch durch eine aktuelle Erhebung von “Statista” gestützt. So registrierte die Polizei 2021 in Deutschland beispielsweise 510 Übergriffe auf Feuerwehren sowie 1.650 Delikte auf Rettungskräfte (insgesamt ein Anstieg von ca. 6,5% im Vergleich zu 2020).

Ursachen für die zunehmende Gewalt

Mögliche Gründe für die Zunahme an Gewalt gegen Einsatzkräften sind u. a.: 

  • Personal- bzw. Nachwuchsmangel bei den Einsatzkräften 
  • gesunkene Hemmschwelle durch Alkohol und Drogen bei den Täterinnen und Tätern
  • Wertverlust gegenüber Einsatzkräften sowie überzogene Ansprüche seitens Patientinnen und Patienten in Bezug auf das fachliche Können 
  • Respekt sowie Empathie gegenüber Mitmenschen sinkt generell in der Gesellschaft

Verbesserung der Personalsituation bei Hilfskräften als Präventionsmaßnahme – Reicht ein Aufstocken des Sanitäter und Feuerwehr Gehalts?

Wie bereits beschrieben, ist ein möglicher Grund für die zunehmende Gewalt an Einsatzkräften der Personalmangel, der dazu führt, dass die vorhandenen Einsatzkräfte nicht immer sofort dort sein können, wo sie am dringendsten benötigt werden. Die Folge? Der Unmut in der Bevölkerung wächst. Mehr Personal bedeutet immerhin eine gezieltere Einsatzplanung. Zudem können zusätzliche Kräfte beispielsweise in Schulen Seminare zur Gewaltprävention halten und so bereits Heranwachsende für dieses Thema sensibilisieren sowie die Werte wie gegenseitiger Respekt, Toleranz und Mitgefühl im täglichen Umgang miteinander wieder mehr in den Fokus rücken. 

Doch wie kann man dem Personalmangel “den Kampf ansagen”? Unsere Antwort: Die Jobs müssen attraktiver gestaltet werden, um Nachwuchs anzuziehen!

Das Heranziehen von Nachwuchskräften ist besonders wichtig, da aufgrund der körperlich sehr belastenden Tätigkeit viele Berufstätige des Rettungsdienstes oder der Feuerwehr frühzeitig aus dem aktiven Dienst austreten. Neben einer Technik, die grundsätzlich die alltägliche Arbeit erleichtert, sollte auch an den beruflichen Konditionen im Allgemeinen gearbeitet werden. 

Potenzielle Maßnahmen, um den Job attraktiver zu gestalten:

  • Auszubildenden frühzeitig verbindliche berufliche Perspektiven anbieten
  • Einsatzpauschale zusätzlich zum Sanitäter und Feuerwehr Gehalt gewähren
  • Schutzbekleidungen sowie arbeitserleichternde Techniken stiften
  • Sanierungen der in die Jahre gekommenen Rettungsdienst- sowie Feuerwehrgebäude umsetzen
  • Anzahl an Rettungsstützpunkten erweitern

Thematisch passend lohnt auch ein Blick auf die Gehälter, die im Feuerwehr- und Rettungsdienstbereich ausgezahlt werden. Die Antwort auf die Frage, ob eine Aufstockung des Sanitäter bzw. Feuerwehr Gehalts automatisch zu weniger Gewalt an Einsatzkräften führt, lässt sich ohne “Glaskugel in die Zukunft” schwerlich beantworten. Doch klar ist, das Gehalt spielt eine tragende Rolle bei der Berufswahl. So kann das Drehen an der “Gehaltsschraube” den Job beim Rettungsdienst oder bei der Feuerwehr durchaus lukrativer werden lassen. 

Überblick: Feuerwehr Gehalt 

Blickt man auf die Gehaltsprognosen bekannter Jobportale, so stellt man fest, dass das Durchschnittseinkommen eines Feuerwehrmannes bzw. einer Feuerwehrfrau in Deutschland bei ca. 3.560 EUR brutto im Monat liegt. 

Die Spanne reicht je nach Bundesland sowie Berufs- und Bildungsstand zwischen 3.000 EUR und 4.375 EUR brutto im Monat (Stand Mitte 2020).  

Steigerungsmöglichkeiten des Grundgehaltes:

  • Ein thematisch passender Bachelor- oder Masterabschluss kann das Feuerwehr Gehalt auf vier-, fünf- oder sogar sechstausend Euro im Monat erhöhen.
  • Weiterbildungen gehören ebenfalls zu den Maßnahmen, um das Gehalt aufzustocken.
  • Zudem offerieren Schichten in der Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen gewisse Zuschläge, die das Grundgehalt aufbessern. 

Überblick: Gehalt von Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitätern

Bereits mit dem Berufseinstieg winken bei Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitätern Gehälter zwischen 2.000 EUR und 2.500 Euro brutto pro Monat. Das Ausgangsgehalt kann mit zunehmender Berufserfahrung steigen. Laut Bundesagentur für Arbeit liegt das Durchschnittsgehalt in Deutschland bei ca. 3.500 EUR brutto im Monat.

Doch wie auch bei den Feuerwehrleuten gilt auch bei diesem Berufsstand: Das Gehalt fällt von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich hoch aus. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Einrichtung, in der man tätig ist. Hierbei kann sowohl die Größe des Unternehmens als auch der Träger entscheidend sein. Bei staatlichen Einrichtungen wird beispielsweise nach Tarif gezahlt. Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitätern erhalten hier ein Einstiegsgehalt von ca. 2.400 EUR brutto im Monat. Dies kann in den Jahren bis auf 3.000 EUR steigen. Bei Einrichtungen mit kirchlichem Bezug, wie der Diakonie, sind Gehälter von ca. 2.550 EUR nach der Ausbildung möglich. 

Weiterbildungen können auch bei dieser Berufsgruppe das Gehalt aufstocken. Denkbar sind Schulungen in den Bereichen Notfallmedizin, Betriebssanitätswesen, Medizinische Assistenz oder Medizinische Dokumentation.

Weitere Präventionsmaßnahmen zur Vorbeugung von Gewalt

Neben der beschriebenen Verbesserung der Personalsituation bei Einsatzkräften gibt es auch noch weitere Präventionsmaßnahmen, die einen wichtigen Schritt in Richtung Vorbeugung von Gewalt machen. Eine starke “Waffe” des Menschen ist beispielsweise das Wort. Doch reicht eine deeskalierende Kommunikation aus, um den Ausnahmezustand, den sich Einsatzkräfte täglich entgegensehen, zu beenden? Wahrscheinlich eher nicht, denn Schutzausrüstungen und Selbstverteidigung scheinen greifbarer.

Weitere Maßnahmen zum Schutz von Einsatzkräften sind u. a.:

  • Deeskalationsschulungen sowie Schulung von körperlichen Abwehrtechniken
  • Klare Anweisungen zum Einsatzverhalten bei Gefährdungssituationen
  • Fortbildungen beispielsweise zu Themen wie „Zulässige Maßnahmen bei Übergriffen“, „Drogen, Suchtmittel und ihre Wirkungen“ oder „Kulturelle, religiöse und migrationsspezifische Besonderheiten“
  • Ausgeklügelte Abfragesysteme in der Notrufleitzentrale, so dass Einsätze hinsichtlich gewisser Kategorien, wie “Lebensgefahr”, “Gesundheitsgefahr” oder “Abklärung” priorisiert und somit das helfende Personal verstärkt für wirkliche Notfälle eingesetzt werden kann
  • Einsatz geeigneter Schutzausrüstungen (z. B. Schutzwesten) sowie arbeitserleichternder Technik (z. B. elektrische Tragen)
  • Umfassende Nachsorge bzw. Betreuung nach einem Überfall mit Vorgesetzten sowie mit ärztlich geschultem Personal

Feuerwehrmann bzw. Feuerwehrfrau oder Mitarbeitender im Rettungsdienst werden

Trotz oder gerade wegen der aktuellen Lage reizt dich ein ausfüllender Job im Rettungs- oder Feuerwehrdienst? Dir ist es ein Bedürfnis, Menschen in Not zu helfen? Dann solltest du dich umfassend auf den Bewerbungsprozess vorbereiten. Dieser ist – sowohl bei der Feuerwehr als auch im Rettungsdienstwesen – kompakt. So wartet beispielsweise stets ein Einstellungstest mit unterschiedlichen Hürden auf dich, den es zu meistern gilt. Erfahre mehr sowohl zum Feuerwehr Einstellungstest als auch zum Rettungssanitäter Einstellungstest sowie über die optimale Einstellungstest-Vorbereitung mit Hilfe unserer Online Testtrainer, die mit typischen Einstellungstestaufgaben inkl. Lösungen aufwarten. 

Quellen:

https://www.welt.de/politik/deutschland/video242980511/Silvesternacht-Nach-Angriffen-Feuerwehr-fordert-Dashcams-an-Einsatzfahrzeugen.html
https://www.gesundheitsdienstportal.de/gewaltpraevention/medien/veroffentlichungen-artikel/gewalt-gegen-rettungskraefte-mehr-praevention-noetig/
https://www.sueddeutsche.de/meinung/silvester-krawallen-taetlicher-angriff-bedeutung-1.5725923
https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2021/AusgewaehlteInformationenBund/AusgewaehlteInformationenBund_node.html hier: StraftatenInsgesamtBRD (Download: 06.01.2023)
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1267434/umfrage/gewalt-gegen-feuerwehr-und-rettungsdienste/
https://www.morgenpost.de/berlin/article236263775/So-will-die-CDU-die-Probleme-der-Berliner-Feuerwehr-loesen.html
https://blaulicht-fans.de/blogs/magazin/feuerwehr-gehalt
https://www.medi-karriere.de/medizinische-berufe/rettungssanitaeter-gehalt/#:~:text=Demnach%20verdienen%20Rettungssanit%C3%A4ter%20in%20Schleswig,%C3%BCber%203.800%20Euro%20besonders%20gut.
https://www.sicherer-rettungsdienst.de/rettungswache/taetigkeiten/gewalt-und-aggression
https://www.feuerwehrmagazin.de/wissen/gewalt-gegen-rettungskraefte-wie-reagiert-die-feuerwehr-auf-angriffe-67641
https://www.medi-karriere.de/magazin/gewalt-gegen-rettungskraefte/
https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/gewalt-rettungskraefte-studie-drk-100.html
https://www.die-mediation.de/der-blog/mediation/studie-untersucht-gewalt-gegen-rettungskraefte

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